Die Datenplattform-Initiative hat leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Die harte Wahrheit ist: Die meisten Unternehmen verbrennen Millionen in Datenprojekten und landen am Ende doch nur bei ETL, Dashboards und PowerPoint-Charts. Warum? Bei Projekten von DAX-Unternehmen bis zum Mittelstand habe ich im Laufe der Jahre immer die gleichen Fehler beobachtet.

1. Ohne eine klare Datenstrategie entsteht nur Chaos.

Stellen wir uns vor, ein Haus würde ohne Bauplan errichtet werden. Jeder Handwerker würde nach eigenem Ermessen handeln. Das Ergebnis wäre eine Konstruktion mit einem Dach über dem Keller, einer Toilette im Wohnzimmer und einer Treppe, die ins Nichts führt. Genau so stellt sich die Datenlandschaft in den meisten Unternehmen dar. Jedes Team baut sein eigenes Silo, jeder Abteilungsleiter hat seine eigene „Wahrheit“ – und am Ende passt nichts zusammen. Letztlich manifestiert sich ein Zustand der Diskrepanz.

Eine Datenstrategie sollte nicht als 100-seitiges PDF verstanden werden, das in einer Schublade verstaubt. Sie agiert vielmehr wie ein Kompass, der die Prioritäten bestimmt. Ohne sie besteht die Gefahr, sich in endlosen Diskussionen über Tools, Technologien und „Best Practices“ zu verlieren, die von den meisten gar nicht verstanden werden. Es steht nicht zur Debatte, ob eine Strategie benötigt wird, sondern wie schnell sie erstellt werden kann – vor dem Hintergrund, dass das nächste Team sein eigenes Excel-Universum konstruiert.

2. Entweder Data Governance automatisieren – oder aufgeben.

Zu den Herausforderungen zählen unter anderem Excel-Listen, manuelle Freigabeprozesse und endlose E-Mail-Ketten. Wenn die Governance in diesem Fall nur Manuell erfolgt, ist die Skalierung nicht möglich. Sowohl für die betreffende Person als auch für alle anderen stellt die Integration einer neuen Datenquelle, die Erstellung eines neuen Dashboards oder die Aufnahme eines neuen Nutzers eine Herausforderung dar.

Automatisierung darf nicht als Luxus betrachtet werden, sondern ist eine Überlebensstrategie, um klare Richtlinien in Form von Code zu etablieren. Essenziell ist, dass sämtliche Prozesse automatisiert, transparent und für alle Beteiligten nachvollziehbar gestaltet werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die manuelle Kontrolle als einzige Möglichkeit der Steuerung wahrgenommen wird.

3. Self-Service ist nicht optional, sondern Pflicht.

Es wird die Hypothese aufgestellt, dass für jede E-Mail ein IT-Ticket erstellt werden sollte. Daten stellen demnach kein exklusives Wissen dar, das nur einer elitären Gruppe von Experten vorbehalten wäre.

Die Verwendung des Begriffs „Self-Service” impliziert nicht zwangsläufig, dass alle Akteure SQL-Experten sind. Durch die Schaffung von Instrumentarien und Abläufen sollen Nicht-Techniker die Fähigkeit erhalten, autonome Problemlösungen zu erarbeiten. Dies erfolgt ohne die Notwendigkeit einer überlasteten Datenabteilung. Wenn die Datenabteilung diese Fähigkeit nicht erbringt, wird sie immer der Flaschenhals sein, der Innovation bremst.

4. Open Source und SQL schlagen proprietäre Blackboxes.

Komplexität ist kein Feature. Sie ist ein Fehler. Und doch stürzen sich viele Unternehmen gerne in teure, proprietäre Blackboxes, die niemand versteht und die am Ende nur den Anbieter reich machen. Warum? Weil „Enterprise“-Lösungen oft mit dem Versprechen verkauft werden, dass sie „alles können“. Diese Aussage ist mit einem gewissen Grad an Vorsicht zu genießen, denn es besteht die Option, dass die betreffenden Aufgaben auch mit Open Source und einer gewissen SQL-Kenntnis bewältigt werden können.

Technologie muss verständlich, portabel und kosteneffizient sein. Punkt. Wenn man sich in eine Lösung binded, die einen an einen Anbieter kettet, stellt man irgendwann fest, dass man nicht mehr Herr der eigenen Daten ist. Und dann ist es zu spät.

5. Infrastruktur muss versioniert werden.

Die Implementierung von Infrastructure-as-Code ist eine wesentliche Maßnahme, um die Stabilität der Plattform zu gewährleisten, Komplexität zu meistern und den Wartungsaufwand zu optimieren. Werden die Infrastrukturen nicht versioniert, dokumentiert und automatisiert, führt dies in der Regel zu einer unübersichtlichen Situation, die durch manuelle Änderungen, nicht dokumentierte Workarounds und die Konfiguration.

IaC ist keine optionale Zusatzfunktion, sondern ein essenzieller Bestandteil der Server-Konfiguration. Es bildet die Basis für alle nachfolgenden Aspekte. Wenn die aktuelle Erscheinungsform der Plattform nicht bekannt ist, ist es unmöglich, zukünftige Entwicklungen zu antizipieren. Wenn das Aufsetzen nicht reproduzierbar durchgeführt werden kann, ist eine Skalierung nicht realisierbar.

6. Kein Betrieb ohne Monitoring.

Pipelines und Machine-Learning-Modelle, die keiner Überwachung unterliegen, sind mit Fahrzeugen ohne Tacho vergleichbar. Es ist unklar, wann es zu einem Crash kommt und aus welchen Gründen. Es ist offensichtlich, dass die Messung von Variablen eine Basis schafft, die es ermöglicht, Abweichungen von Erwartungswerten zu identifizieren. Es ist davon auszugehen, dass das Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt sein wird.

Monitoring ist kein Overhead. Die vorliegende Option ist die einzige Möglichkeit, Probleme zu identifizieren, bevor sie sich zu Katastrophen entwickeln. Die mangelnde Kenntnis über die Laufzeit der Pipelines sowie über die Häufigkeit und die Ursachen ihres Scheiterns sind charakteristische Merkmale eines unprofessionellen Umgangs mit Datenplattformen.

 

7. Dashboards allein schaffen noch keinen Mehrwert.

100 Dashboards, sie werden allerdings nicht genutzt. Datenprodukte müssen zwingend businessrelevant sein.

Sie müssen einen klar definierten Zweck erfüllen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie sich nicht nur auf die Darstellung von Zahlen konzentrieren, sondern auch die Lösung von Problemen in den Mittelpunkt rücken. Wenn das Dashboard nicht dazu geeignet ist, Entscheidungen zu erleichtern, erfüllt es lediglich eine dekorative Funktion. Es besteht keinerlei Bedarf dafür.

 

Über den Sommer hatte ich endlich Zeit, mein Referenzmodell für Datenarchitekturen um ein konkretes Beispiel zu erweitern. Nicht, weil es „noch ein Framework“ braucht – sondern weil wir dringend eine neue Haltung zur Daten Architektur brauchen.

Denn was heute unter dem Schlagwort digitale Souveränität diskutiert wird, ist in Wahrheit ein Architekturproblem. Und zwar eines, das wir nicht mit Tools oder Cloud-Native oder Souveränitäts-Stempeln lösen werden.

 

Viele Architekturen, die ich sehe, sind in Wahrheit Einkaufslisten. Tools, Plattformen, Services – hübsch visualisiert, aber ohne strategische Tiefe.
Was mir aber fehlt, ist ein Capability-getriebener Ansatz, der nicht fragt: Was können wir kaufen?, sondern:
Was müssen wir können?

Mit dem Referenzmodell versuch ich genau das zu entwickeln:

  • Prinzipien wie Cloud-FirstData Quality First oder Data Ethics geben Orientierung.
  • Value Streams wie Data to Insights oder Data Impact zeigen, wo Wert entsteht.
  • Capabilities wie Data GovernanceDataOps oder Security machen sichtbar, was wir beherrschen müssen – unabhängig vom Toolstack.

 

Die Diskussion um EU-Clouds, Schrems II und den US Cloud Act ist zweifellos wichtig – doch sie greift zu kurz, wenn wir nicht gleichzeitig unsere Datenarchitekturen hinterfragen. Denn digitale Souveränität entsteht nicht durch Standortwahl allein, sondern durch die Fähigkeit, unsere Systeme flexibel, nachvollziehbar und strategisch zu gestalten.

Eine souveräne Architektur ist weit mehr als nur „compliant“. Sie muss anpassungsfähig sein, sowohl technisch als auch rechtlich. Sie sollte es ermöglichen, Plattformen zu wechseln, ohne die eigene Datenkompetenz zu verlieren. Und sie muss Abhängigkeiten nicht nur dokumentieren, sondern aktiv gestaltbar machen. Das gelingt nur, wenn wir modular denken und unsere Architekturen so bauen, dass sie sich weiterentwickeln lassen – statt sie in monolithischen Strukturen zu zementieren.

Dabei geht es nicht nur um den vielzitierten Vendor Lock-in. Ja, die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern kann problematisch sein – etwa wenn Schnittstellen proprietär sind, die Datenhoheit unklar bleibt oder Anbieter unter fremden Jurisdiktionen stehen. Doch nicht jeder Lock-in ist per se schlecht. In manchen Fällen ist die Bindung an einen Anbieter eine bewusste strategische Entscheidung: etwa wenn dieser eine hohe Innovationsgeschwindigkeit bietet, verlässliche Betriebsmodelle etabliert hat oder komplexe Integrationen deutlich vereinfacht.

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob wir uns binden – sondern wie bewusst wir diese Bindung eingehen. Mit dem Referenzmodell versuche ich genau das: Es soll transparent machen, welche Fähigkeiten wir auslagern, welche wir intern behalten und wie wir Exit-Strategien gestalten können, falls sich technische, rechtliche oder politische Rahmenbedingungen ändern.

 

Was kommt als Nächstes?

Ich werde das Modell weiterentwickeln – mit mehr Beispielen, mehr Kontext, mehr Praxis.
Denn Architektur ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Und Souveränität ist kein Ziel, sondern ein Prinzip.

📥 Das vollständige Modell gibt’s hier: https://codeberg.org/Alexander_von_Boguszewski/DataArchitecture

Wenn ich derzeit mit meinen Kunden eine neue Datenplattform konzipiere, ist eine der zentralen Entscheidungen, ob die Plattform on-premise oder in der Cloud betrieben werden soll. Manche Unternehmen wollen ihre Daten lieber selbst kontrollieren und nicht von den USA abhängig sein, aber nicht nur der isolationistische Kurs der USA unter Trump lässt Gründe gegen eine Cloud-Lösung finden. Bereits im Jahr 2022 beschrieb Andreessen Horowitz das Kostenparadox der Cloud-Anbieter mit dem Zitat: „You’re crazy if you don’t start in the cloud; you’re crazy if you stay on it“. Was bedeutet dies für die Gestaltung von Datenplattformen?

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In meinem letzten Post habe ich meine Idee einer Capability Map für eine Datenarchitektur vorgestellt. Darauf aufbauend möchte ich heute ein Modell zeigen, das die wichtigsten Teile einer Datenplattform beschreibt.

Eine gut durchdachte Datenplattform sollte nicht nur die technischen Aspekte berücksichtigen, sondern auch die Prozesse und Governance-Fragen, die für Skalierbarkeit, Sicherheit und Compliance wichtig sind. Hier zeige ich euch die wichtigsten Bereiche und Komponenten in meinem Modell:

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